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Tiere / Tierhaltung / Das gute Gewissen

Das gute Gewissen

Was ist das Gewissen eigentlich? Eine innere Stimme, die uns sagt was „falsch“ und was „richtig“ ist. Doch woher sollen wir wissen was „falsch“ und was „richtig“ ist? Wer definiert diese zwei Kontrahenten? Wir. Die Gesellschaft. Unsere Kultur. Und was nun, wenn wir in einer Gesellschaft leben, die das Töten und Verzehren von Tieren als richtig und moralisch vertretbar ansieht? Eine Gesellschaft die sich die Tiere zu ihren Untertanen gemacht hat und sich als überlegene Spezies und Krönung der Schöpfung sieht.
Den meisten Menschen ist die gute Haltung der Nutztiere wichtig. Den einen aus „tierliebe“ den anderen lediglich für die best mögliche Qualität des Fleisches. Daher springen immer mehr Menschen auf die „Biowelle“ auf, und kaufen mit gutem Gewissen ihren Schweinbraten. Schließlich hatte das Tier ja ein gutes Leben bevor es für meine Gier sterben musste. Da zahlt man doch gerne ein paar Euro mehr, wenn man weiß, oder glaubt zu wissen, das Tier hatte ein schönes Leben – bis es dann als Schnitzel in der Pfanne landet. Natürlich gibt es auch die ganz Gefühllosen, denen es ziemlich gleichgültig ist wo ihr Mittagessen herkommt. Hauptsache es war billig. Doch letztlich ist es nicht ausschlaggebend ob die Kuh oder das Schwein vor seinem Tod auf einer grünen Wiese stand oder sein armseliges Leben hinter Gitterstäben verbrachte. Ausschlaggebenden sollte sein, dass Tiere immer noch, millionenfach, für unsere Gier nach Fleisch sterben müssen. In einer Zeit des technischen Aufschwungs, praktizieren wir, die vermeintlich zivilisierten und modernen Menschen, doch noch solch mittelalterlichen Methoden wie das Schlachten und Verspeisen von Tieren. Große Geister wie Leonardo da Vinci sagten einst: „Es wird die Zeit kommen, da das Verbrechen am Tier genauso geahndet wird, wie das Verbrechen am Menschen“. Allerdings, dass muss man eingestehen, sind wir schon so fortschrittlich den Schweinen die Kehlen nicht mehr auf offener Straße aufzuschlitzen. Nein, dass geschieht heut alles anonym hinter großen Fabrikmauern, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Sodass der Verbraucher nur noch in den Supermarkt muss und sich eine saubere, ordentlich verpackte Schachtel Hähnchenkeulen kaufen, am besten noch mit fröhlich und glücklich aussehenden Hühner auf der Verpackung. Oder man denke nur an die schrecklichen Tiertransporte, bei denen die panisch, verstörten Tiere mit Todesangst, kaum Wasser und Futter, stundenlang zusammengepfercht ihrem Tod entgegen fahren. Doch auch davon bekommen wir wenig mit, denn wir sind geblendet von den schönen Bildern auf dem Tiertransport LKW wo wir glückliche und zufriedene Rinder auf einer Bergalm, zwischen saftigen grünen Weiden grasen sehen. Oder was ist mit dem Metzger um die Ecke? ´Heute frische Schweinshaxe!´ steht auf der Tafel vor der Tür an der sich ein dekorations- Schwein anlehnt und uns mit einem frech, freundlichen Augenzwinkern entgegenlächelt. Umrahmt von einer Sprechblase die uns die Qualität und Vorzüglichkeit des Bratens mit den Worten ´Sau gut´ ein zu suggerieren versucht. Welch ein Hohn! Das hat die Fleischindustrie sich wieder schön zurecht gebogen, und wer nicht wissen will woher sein Fleisch wirklich kommt, der wird es ganz sicher auch nicht erfahren. Denn wer will schon Schuld sein an dem Leid eines unschuldigen Tieres nur für die menschliche Begierde? Auch Wilhelm Busch bringt das Thema Fleischkonsum in einem Zitat auf den Punkt: „Wahre menschliche Kultur gibt es erst, wenn nicht nur die Menschenfresserei, sondern jeder Fleischgenuss als Kannibalismus gilt.“
Doch wollen wir mal nicht so sein, denn es gibt auch in unsere Gesellschaft einige Menschen die die Dinge hinterfragen und nicht bloß dass glauben was man ihnen vorsetzt. Man möchte diese Menschen schon fast als Außenseiter bezeichnen, die alles nur unnötig komplizierter machen! In Deutschland leben über 82 Millionen Menschen. Etwa 9-10 % der Bevölkerung sind Vegetarier, von Veganern ganz zu schweigen. Diese kleine Minderheit von Menschen, will also die große Mehrheit von ihren Idealen überzeugen. Auch wenn dies meist ein langer und harter Kampf ist, ist er nicht unmöglich! Was wären wir heute, wenn es zum Beispiel im dritten Reich, während der Sklaverei, der Frauenunterdrückung oder anderen fanatischen Diktaturen keinen Widerstand von Minderheiten gegeben hätte? Vegetarier und Veganer leisten Widerstand gegen die Ausbeutung von Tieren. Denn wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!
Die grausame Realität in den Tierfabriken ist die, dass die Tiere eingepfercht, zwischen engen Gitterstäben, Zelle an Zelle neben ihren Leidensgenossen über ihren eigenen Ausscheidungen stehen. Diese fließen durch Rillen im Boden nach unten und werden später als Dünger für unsere Gemüsefelder verwendet. Die Tiere aus der Massentierhaltung sehen niemals die Sonne, atmen niemals frische Luft oder fühlen die Erde unter ihren Füßen. Damit sie in den großen, von Neonröhren durchstrahlten, Hallen, in ihren engen Gitterboxen in denen sie sich weder vor noch zurück bewegen können nicht völlig durchdrehen, werden den Tieren Antibiotika in ihr Essen gemischt. Dieses Essen läuft über ein Fließband vor den Boxen auf und ab.
Die Beruhigungsmittel scheiden die Tiere in ihrem Kot wieder aus und dieser mit Antibiotika verseuchte Dünger wir später über unsere Gemüsefelder gespritzt. Fließt der Dünger bei Regen in unsere Flüsse und Seen, können die Wasserpflanzen, dank der giftigen Medikamente, nicht mehr atmen und keinen Sauerstoff mehr produzieren. Die Folge: Flüssen und Seen verschmutzen. Doch das ist nur eine verheerende Wirkung der Fleischindustrie auf Flora und Fauna. Ganz aktuelle auch der „Klimakiller Kuh“. Da für die immer größer werdende Nachfrage nach möglichst billigem Fleisch immer mehr Wälder gerodet werden und somit der Landwirtschaft zum Opfer fallen gibt es immer mehr Rinder die durch ihre Verdauung das umweltschädliche Methangas freisetzen und somit ordentlich zum Treibhauseffekt beitragen. Etwa 31 % der Klimagase gehen auf das Konto der Landwirtschaft. Zusammengefasst heißt das, Vegetarier und Veganer schützen nicht nur Tiere sonder auch die Umwelt. Die Nachfrage bestimmt das Angebot, und solange es noch so viele „eingefleischte“ Fleischesser gibt die auf ihr Steak nicht verzichten wollen, wir sich an der schwierigen Umweltsituation wenig ändern. „Nichts wird die Chance auf ein Überleben der Erde so steigern wie der Schritt zur Vegetarischen Ernährung.“ (Albert Einstein)
Doch nicht nur die Fleischindustrie quält Tier für den Profit. Auch die Eier- und Milchindustrie macht die Tiere zur Ware. Hühner aus Legebatterien beispielsweise, haben gerade mal 1 DIN A-4 Blatt „Lebensraum“. Anstatt mit ihren Artgenossen, über grüne Weiden zu laufen und Würmer aus dem Boden zu picken vegetieren die Hühner in ihrem isolierten Dasein, vor sich hin. Psychische Auswirkungen auf diese Qual sind unter anderem, ausgerupfte Federn, blutig gepickte Körper oder völlig verstörte Hühner. Legehennen aus Legebatterien sind dafür da, möglichst viele Eier in möglichst kurzer Zeit zu legen. Da ein Hahn biologisch ja nicht im Stande ist ein Ei zu legen, bringt er wenig Profit und ist schlicht und ergreifend wertlos. Daher werden männliche Kücken kurz nach dem ausschlüpfen im Sekundentakt auf dem Fließband getötet. So ist das Geschäft, doch wo bleibt das Tier? Wo bleibt, dass schlechte Gewissen der Menschen, wenn sie Eier mit dem Stempel 3 oder 2 die für Käfighaltung (3) und Bodenhaltung (2) stehen, kaufen? Ist es Unwissenheit oder Gleichgültigkeit? Der Verbraucher hat die Macht. Auch der Milchindustrie ist nichts zu unmoralisch um großen Gewinn zu machen. So werden den Milchkühen, ihre Kälbchen direkt nach der Geburt weggenommen, um die Tiere scheinschwanger zu halten und einen möglichst hohen Milchertrag zu ergattern.
Schweine, Kühe, Hühner, sind Nutztiere. Wie der Name schon sagt, sollen sie in erster Linie einen Nutzen für uns Menschen bringen, das Individuum Tier spiel dabei keine Rolle. Ob nun Eier, Milch, Fleisch oder Fisch, Pelz oder Leder Hauptsache die Tiere erfüllen ihre Aufgabe. Der Mensch hat nicht gelernt mit den Tieren zu leben, er hat gelernt sich die Tiere als Untertanen zu machen und sie auszubeuten. Wir benutzen sie als Testobjekte für unsere Kosmetik oder für die Forschung, ziehen ihnen qualvoll die Haut ihres Pelzes wegen ab, jagen sie für unser Hobby oder schlachten sie für unsere Fleischgier. Da fragt man sich doch wieder, wo bleibt das Gewissen der Menschen? Wo das Mitgefühl für unsere Artgenossen? Wie lang wird es noch dauern bis die Menschen begreifen, Tiere als fühlende Wesen zu betrachten zu respektieren?
Letztlich sollte jeder selbst entscheiden was für ihn „falsch“ und „richtig“ ist, und mit seinem Gewissen leben. Wie zitierte schon Arthur Schopenhauer: „Die Welt ist kein Machwerk, und die Tiere sind keine Fabrikanten zu unserem Gebrauch. Nicht Erbarmen, sonder Gerechtigkeit sind wir den Tieren schuldig.“

Text: Lydia Seigerschmid