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Tiere / Tierhaltung / Ratten

Die Haltung von Ratten

Herkunft und Verhaltensweisen:

Seit jeher stehen Ratten in engem Kontakt zum Menschen, sie werden als Kulturfolger bezeichnet. Weltweit gibt es über 570 Rattenarten, doch nur zwei davon leben bei uns. Beide gehören zur Gattung der echten Mäuse (Murinae).Die zierlichen Haus- oder Dachratte (Rattus rattus) bzw. ihr Rattenfloh war im Mittelalter der Pestüberträger. Ratten zählen auch heute noch für viele Menschen zu den Ekeltieren. Man hatte sie zum Hauptverantwortlichen für die Übertragung der Beulenpest gemacht, obwohl die Ansteckung nur über den Rattenfloh erfolgten konnte. Inzwischen gilt es als erwiesen, dass vor allem die schlechten hygienischen Zustände der damaligen Zeit als Ursache für das Ausbrechen und die Ausbreitung der Seuche anzusehen sind. Heute steht die selten gewordene Hausratte auf der roten Liste der gefährdeten Wildtiere in Mitteleuropa.
Ratten leben aufgrund ihrer großen Anpassungsfähigkeit in den unterschiedlichsten Klimazonen und Biotopen. Seit dem letzten Jahrhundert werden sie von Menschen gehalten und gezüchtet. Die Vorfahren aller Ratten, die als Heimtiere gehalten werden, stammen von der Wanderratte (Rattus norvegicus) ab. Die weiße Laborratte(Albinoform)wurde bereits 1890 gezüchtet. In erster Linie wurden diese Tiere zu Tierversuchszwecken gehalten. Aus der Albinoform wurde mittels Inzucht im Laufe von Generationen die Farbratte (Rattus norvegicus domesticus). Inzwischen gibt es diese in vielen Variationen. Erst in den letzten Jahren erlebte diese Nagerart einen wahren Boom in der Heimtierhaltung.
Die Ratte hat ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Sie erkennt ihre Gruppenmitglieder am Geruch. Bei jeder Begegnung werden Duftkontrollen durchgeführt. Fremde Artgenossen mit einem fremden Geruch werden als Reviereindringlinge bekämpft. Um heftige Auseinandersetzungen zu vermeiden, sollten Ratten deshalb zur gemeinsamen Haltung möglichst als Jungtiere zusammengeführt werden.
Die in einer Gruppe lebenden Tiere bilden eine Rangordnung aus, welche in Rangkämpfen festgelegt wird und sich stets neu bilden kann. Die Verständigung untereinander erfolgt durch eine ausgeprägte Körpersprache, Duftsignale und hoch frequente Laute, die sich überwiegend im Ultraschallbereich bewegen und somit für unsere Ohren nicht erfassbar sind.
Als Nachttier verfügt die Ratte über kein besonderes gutes Sehvermögen bei Tageslicht. Vor allem Albinos sind extrem lichtempfindlich. Farbensehen ist nicht möglich. Im Gegensatz zu anderen Säugetieren und dem Menschen fehlen die dafür notwendigen Sinneszellen(Zapfen) in der Netzhaut der Augen.
Der Geschmackssinn dieser Nager ist dagegen hervorragend. Tasthaare um Nasen- und Mundöffnung sowie an den Pfoten und am Schwanz dienen der Orientierung im Raum auch in der Dunkelheit.
Ratten haben einen Wach-Ruhe-Rhythmus von ca. 2 bis 4 Stunden. Die Haupt-Aktivitätszeiten liegen in den Abend- und Nachtstunden. Tagsüber schlafen sie die meiste Zeit.

Haltung:

RattenHier seht ihr links eine Laufrad geschädigte (man beachte den Schwanz), rechts eine gesunde Ratte.

Bevor man seinen neuen bzw. seine neuen "Mitbewohner" im Zoofachhandel aussucht, sollte zunächst das örtliche Tierheim aufgesucht werden. Der Weg dorthin wird sich lohnen, da viele unüberlegt angeschaffte Ratten hier auf einen neuen Besitzer warten. Vorsicht ist dagegen bei Tieren geboten, die aus Zuchtexperimenten stammen. Bei Ratten gibt es ursprünglich stammspezifisch geförderte und deshalb z.T. recht ausgeprägte Anfälligkeiten für ganz bestimmte Erkrankungen (z.B. Blutkrebs, Tumore). Diese Anlagen finden sich zu einem gewissen Grad noch im Erbgut vieler Rattenzuchten.
Ratten sind als in Großfamilien lebende Rudeltiere äußerst soziale Wesen und sollten deshalb möglichst mindestens zu zweit gehalten werden. Ohne den ständigen Kontakt zu Artgenossen verkümmern sie. Die Befürchtung, dass bei einer Haltung von mehreren Ratten eine Bindung an Menschen schwieriger zu erreichen ist, ist unbegründet. Zwei oder mehrere Tiere werden ebenso zutraulich wie eine einzeln gehaltene Ratte, wenn sich der Halter täglich mit ihnen beschäftigt. Aber auch mehrere Ratten brauchen regelmäßige und ausgiebige Zuwendung. Die Tiere sollten gleichen Geschlechts sein, da sich ansonsten die Anzahl der kleinen Bewohner innerhalb kurzer Zeit rapide vergrößert. Soll einem bereits erwachsenen Tier ein Artgenosse zugesellt werden, klappt dies gewöhnlich am besten mit einem Jungtier. Erwachsene Weibchen sind untereinander verträglicher als Männchen.

Ratten Hier nochmals eine Ratte, die durch das laufen in einem Laufrad geschädigt wurde. Laufräder sind sehr schlecht für die Wirbelsäulen der Tiere, dadurch ensteht oft eine Krümmung des Schwanzes.

Für die bewegungsfreudigen Ratten sind die handelsüblichen Käfige für Nager in der Regel viel zu klein. Speziell auf die Bedürfnisse von Ratten zugeschnittene Heimtierkäfige sind nicht im Handel erhältlich. Bewährt haben sich große Streifenhörnchen- oder Papageienkäfige bzw. mehrere miteinander verbundene Käfige. Der Gitterabstand sollte 1cm bis 1,5cm betragen, damit auch Jungtiere nicht entweichen können. Die Vergitterung muss querverdrahtet sein, damit die Tiere klettern können. Auch bei täglichem Auslauf sollte der Käfig für 2 bis 4 Ratten mindestens 80cm hoch, 150cm lang und 50cm tief sein.
Die Einrichtung des Käfigs muss Möglichkeiten zum Klettern, Verstecken, Schlafen sowie Platz zum Aufrichten, Spielen und zum Nagen (unbehandelte Äste) bieten. Als Schlafplatz eignen sich sowohl Meerschweinchenhäuser aus Plastik (Holz wird benagt, außerdem kann es schimmeln) als auch dunkle Röhre aus dem Baumarkt (70-120mm). Mit letzteren lassen sich ganze Gangsysteme anlegen, die von den Ratten gerne als Verstecke genutzt werden. Plattformen bzw. Etagen, die mit Leitern verbunden sind, können als zusätzliche Verweilplätze dienen. Auch vom Käfigdeckel herabhängende Klettertaue und eine Schale mit Vogelsand zum Graben bieten Möglichkeiten zur Betätigung. Auf Laufräder muss wegen möglicher Schwanzverletzungen bei Ratten verzichtet werden.
Die Futterschalen sollten aus Keramik oder Glas bestehen, damit sie nicht kippen, wenn die Ratte sich auf den Rand setzt. Sie sollte sich auch leicht säubern lassen. Eine ca. 15cm über dem Boden aufgehängte und stets mit ausreichend frischem Wasser gefüllte Nippeltränke eignet sich als Trinkflasche.
Eine geräumige und gut belüftete, mit Streu versehene Transportbox kann sowohl für den Transport zum Tierarzt als auch als Aufenthaltsraum beim Käfigputz dienen. Als Einstreu empfiehlt sich die im Handel übliche saugfähige Heimtierstreu. Sägemehl, Torf oder Hobelspäne aus der Tischlerei sind zu staubig. Der Staub führt zu Augenreizungen und Atemwegserkrankungen und ist ebenso wie Zeitungspapier(giftige Druckerschwärze) als Einstreu nicht geeignet.
Die gesamte Einstreu sollte mindestens einmal, besser zweimal wöchentlich ausgewechselt werden. Zum Auspolstern der Schlafstätten eignet sich Heu, Stroh oder Zellstoff. Mindestens einmal in der Woche sollte auch das Nestmaterial ausgetauscht werden. Die Futternäpfe sind ebenfalls mindestens einmal pro Woche gründlich zu reinigen.
Mitentscheidend für das Wohlbefinden der Tiere ist der Standort des Käfigs. Ratten erkranken bei Zugluft und Kälte und sind bei Lärm Stress gefährdet. Der Käfig darf auf keinen Fall direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein. Der ideale Stellplatz ist deshalb ruhig, trocken, hell, Zugluft geschützt und leicht erhöht und hat eine Raumtemperatur von 18 bis 23°C.Zusätzlich muss darauf geachtet werden, dass das Rattenheim für andere Haustiere wie Hund oder Katze unerreichbar ist.
Da selbst ein großer und optional eingerichteter Käfig dem Bewegungsdrang und dem Erkundungsverhalten von Ratten nicht gerecht werden kann, sollten der zahmen Ratte täglich ein bis zwei Stunden Auslauf im Zimmer gestattet werden. Wichtig ist jedoch, dass das Zimmer "rattensicher" ist. Da Möbel, Elektrokabel, Bücher, Pflanzen (können giftig sein!) usw. von den Nagern nicht geschont werden, empfiehlt es sich, die Tiere nur unter Aufsicht laufen zu lassen. Schranktüren, Schubladen, enge Spalten zwischen Möbeln und Wand usw. dürfen für die freilaufende Ratte nicht zugänglich sein. Ein Hauptproblem beim Freilauf besteht darin, dass Ratten überall Kot und Urin absetzen, was unseren Hygienevorstellungen nicht entspricht. Wer Ratten als Heimtiere halten will, muss sich vorher überlegen, ob er damit zurecht kommt.

Umgang:

Ratten können sehr zutraulich und verschmust werden, wenn sie in jungem Alter schon an Menschen gewöhnt wurden. Dabei gilt: Je mehr sie sich mit ihren Tieren beschäftigen, umso zutraulicher werden sie. An Menschen gewöhnte Tiere lassen sich gerne auf dem Arm oder auf der Schulter spazieren tragen, wobei sie die Umgebung beobachten und gleichzeitig Körperkontakt mit dem Halter haben können. Im Vergleich zu anderen Nagetieren sind sie auffallend intelligent und lernfähig.
Da die Hauptaktivitätsphasen der Ratte in den Abend- und Morgenstunden liegen, sollte der regelmäßige Freilauf und die Zuwendung grundsätzlich zu diesen Tageszeiten erfolgen.
Indem man mit einer Hand unter ihren Bauch und mit der anderen Hand schützend über den Rücken greift, kann die Ratte aufgenommen werden. Keinesfalls sollte man das Tier am Schwanz anheben. Dies ist für die Ratte äußerst unangenehm und kann auch zu Verletzungen führen, da die empfindliche Schwanzhaut nicht dazu geeignet ist, das gesamte Körpergewicht zu tragen. Ruckartige Bewegungen müssen unbedingt vermieden werden, da Ratten sich leicht erschrecken. Das einmal gewonnene Vertrauen kann schnellverloren gehen. Kinder sollten den korrekten und behutsamen Umgang mit dem Tier unter Anleitung lernen.

Ernährung:

Heimtierratten sind Gemischtköstler, sie ernähren sich jedoch überwiegend vegetarisch. Eine gesunde und ausgewogene Kost ist für die Nager äußerst wichtig. Gefüttert wird am besten am späten Nachmittag oder frühen Abend. Aus hygienischen Gründen wird das Futter grundsätzlich in einem Futternapf bzw. zusätzlich auch direkt aus der Hand angeboten.
Als Grundfutter dient eine speziell für Ratten u.a. aus verschiedenen Flocken, Körnern, Nussfrüchten und ölhaltigen Sämereien bestehende Trockenfuttermischung bzw. ein Alleinfuttermittel in Pelletsform, dass im gut sortierten Zoohandel erhältlich ist. Etwa 1/3 der Tagesration sollte aus frischen Leckerbissen wie verschiedene Obstsorten(keine Zitrusfrüchte!),Gemüsesorten und frischen Grünzeug bestehen.
An Grünfutter können unter anderem Salat, Löwenzahn und Gänseblümchen gegeben werden. Wildgrün sollte wegen der Abgasbelastung nicht am Straßenrand gesammelt werden. Grünfutter darf niemals angewelkt gefüttert werden. Dann nämlich bilden sich im Darmtrakt Gase. Auch Kohlsorten können solche Gärungsprozesse hervorrufen und sollten daher nicht verabreicht werden.
Als Obst und Gemüse können Äpfel, Birnen, Bananen, Weintrauben, Tomaten, Karotten, Blatt- und Feldsalat, Futterrüben und Gurken gegeben werden. Grundsätzlich muss das Futter frei von Pestizidrückständen sein. Aus dem Kühlschrank entnommene Rattennahrung ist vor dem Füttern auf Raumtemperatur zu erwärmen. Gekauftes Obst und Gemüse sollte geschält werden, um die Belastung mit Spritzmitteln möglichst gering zu halten. Auch getrocknete Früchte werden gern gefressen. Ratten sind ausgesprochene Individualisten. Was die eine mag, kann bei der anderen auf Ablehnung stoßen. Deshalb empfiehlt es sich, verschiedene Obst-, Gemüse- und Salatsorten auszuprobieren.
Obwohl Ratten sich überwiegend von pflanzlicher Nahrung ernähren, verschmähen sie auch tierische Eiweiße in Form von Mehlwürmern, Quark, Joghurt, Käse und hart gekochte Eier(am besten mit kalkhaltiger Schale)nicht. Gelegentliche Leckerbissen wie Zwieback, Knäckebrot, Nüsse in der Schale (keine Mandeln oder Paranüsse!), gekochte Nudeln, Reis oder Kartoffeln sind heiß begehrt und dürfen nur in kleinen Mengen gegeben werden, da Ratten schnell zu dick werden.
Die Nagezähne der Ratte wachsen ständig nach und müssen durch Benagen von harten Gegenständen abgenutzt werden. Getrocknetes, hartes Brot und ungespritzte Zweige von Obstbäumen, Weiden oder Buchen sind dazu gut geeignet.

Gesundheit:

Sowohl bei der Auswahl (am besten abends, da die Ratte dann aktiv ist) als auch bei der Haltung einer Ratte sollte man besonders Augenmerk auf die Gesundheit des Tieres richten. Bei artgemäßer Haltung werden Ratten nur selten krank.
Eine gesunde Ratte hat ein glattes, glänzendes Fell und einen wohlgenährten Körper. Während ihrer abendlichen Aktivitätsphase ist sie lebhaft, neugierig und hat Appetit. Die Augen des Tieres sind klar und glänzend, die Augenränder dürfen nicht verklebt sein. Verkrustete Nasenöffnungen sind ein typisches Anzeichen für ein krankes Tier. Rasselnde, knackende und keuchende, bisweilen mit heftigem Niesen und Nasenausfluss gekoppelte Atemgeräusche sind sehr ernste Krankheitsanzeichen.
Bei älteren Ratten treten gehäuft Geschwulstbildungen auf, die in etwa der Hälfte der Fälle gutartig sind. Aber auch Jungtiere können von solchen Gewebeveränderungen betroffen sein. Werden Tumore rechtzeitig erkannt, können selbst bösartige Geschwüre durch operative Entfernung erfolgreich behandelt werden.
Für jeden Tierhalter muss es selbstverständlich sein, bei den ersten Anzeichen einer Erkrankung(z.B. deutlich verminderte Aktivität, Appetitlosigkeit, tränende Augen, deutliche Atemgeräusche usw.) sofort den Tierarzt aufzusuchen.
Die Lebenserwartung einer Ratte beträgt zwischen 1,5 und 3 Jahren wobei der Durchschnitt bei ca. 2 Jahren liegt. Bereits mit eineinhalb Jahren können Ratten die ersten Alterserscheinungen auftreten: Sie klettern nicht mehr so viel, werden ruhiger und das Fell wird matter. Tiere mit einer dunklen Fellfärbung bekommen eine graue Schnauze. Da die Sehfähigkeit abnimmt und einige Ratten im Alter blind werden können, sollte man die Einrichtung des Rattenheims nicht mehr verändern. Die Tiere finden sich dann mit Hilfe der Tasthaare gut zurecht.

Zucht:

Ratten sind sehr fruchtbare Tiere und sehr früh fortpflanzungsfähig (ab ca.5 bis 6 Wochen). Nach einer Tragzeit von 21 bis 24 Tagen bringt eine Rattenmutter pro Wurf, es sind in der Regel vier im Jahr, 8 bis 15 Junge zur Welt. Da kaum gewährleistet werden kann, für so viele Jungtiere ein gutes Zuhause und verantwortungsbewusste Besitzer zu finden, muss grundsätzlich von einer Zucht dieser Tiere abgeraten werden.

Anmerkung von AU:

In den Tierheimen findet ihr viele Kleintiere, unter anderem auch Ratten, die auf ein schönes, neues zu Hause warten!
www.tierheimlinks.de

 

Text: Deutscher Tierschutzbund e.V.