
Tiere / Tierhaltung / Meerschweinchen
Buchempfehlung:
Ruth Morgenegg
"Artgerechte Haltung - ein Grundrecht auch für Meerschweinchen"
ISBN 3-9522661-0-8
TBV-Verlag
Herkunft:
Wildmeerschweinchen
kommen ursprünglich aus den südamerikanischen Anden. Schon lange bevor
sie zu uns kamen, hielten die Indios sie als Haustiere, denn die Meerschweinchen
waren eine willkommene Abwechslung auf ihrem Speiseplan. Nach der Entdeckung
Amerikas gelangten sie im Gepäck der Seefahrer nach Europa, wo sie sehr
schnell zum beliebten Heimtier wurden. Durch jahrhundertlange Zucht entstanden
unzählige Rassen verschiedener Farben und Fellbeschaffenheit.
Lebensweise:
Meerschweinchen sind tagaktive, gesellige und bewegungsfreudige Nagetiere, die in der Natur in größeren Gruppen leben und natürliche Höhlen wie Steinspalten bewohnen.
Lebenserwartung:
Meerschweinchen können bis zu 8 Jahren alt werden (und älter).
Ernährung:
Meerschweinchen haben ihre Ernährung der kargen Kost des Hochgebirges
angepasst. Somit ist die Grundnahrung gutes Heu, daneben fressen sie frisches
Grünfutter (Löwenzahn usw.), Gemüse (besonders beliebt sind
Salatgurken und Möhren) und Obst. Die im Handel angebotenen Fertigfuttermischungen
für Meerschweinchen sind oftmals jedoch zu gehaltvoll und führen
zur Verfettung. Da Meerschweinchenzähne ständig wachsen, müssen
sie ständig abgenutzt werden. Aus diesem Grund ist die stark sättigende
Wirkung der typischen Fertigfuttermischungen besonders schlecht, da sie dazu
führt, dass die Meerschweinchen ihre Zähne zu wenig benutzen und
diese ungehindert weiter wachsen können.
Zusätzlich ist harte Nahrung (ungespritzte
Obstbaum- und Haselzweige und anderes Nagematerial) für die Abnutzung
der Zähne wichtig.
Außerdem muss frisches Trinkwasser natürlich jederzeit verfügbar
sein.
Wichtig hierbei ist: es sollte unbedingt jeden Tag eine Messerspitze
Vitamin C Pulver ins Trinkwasser gemischt werden, da der körper
der Meerschweinchen (genauso wie der der Menschen) kein Vitamin C herstellen
kann. Das kommt daher, dass Meerschweinchen in ihrer natürlichen Umgebung
(die sehr hoch liegt) Pflanzen mit einem sehr hohen Vitamin C Wert zur Verfügung
haben. Das trifft auf unsere Planzen nicht zu, weshalb es vom Menschen als
Präparat gestellt werden muss. Das ist auch der Grund warum Tierärzte
bei erkrankten Meerschweinchen immer eine Vitaminspritze spritzen, da meist
ein Vitamin C Mangel herrscht.
Heimtierhaltung:
Meerschweinchen
werden oft angepriesen als unkomplizierte, pflegeleichte, lebendige Kuscheltiere
für Kinder, beißen angeblich nie und fühlen sich wohl in der
kleinsten Hütte. Seien Sie versichert, dass dem nicht so ist! An erster
Stelle im Meerschweinchen-Leben steht das Sozialleben der Tiere, die von Natur
aus sehr gesellig sind. Ihre Kontakte werden begleitet von vielerlei Lautäußerungen
wie Quieken in den verschiedensten Variationen, Zähneklappern und vielem
mehr. Ihre Körpersprache reicht von freundlichem Anstupsen bis hin zu drohendem
"groß machen" und beieindruckend Hin- und Herwackeln.
Wer einmal eine ganze Meerschweinchen-Sippe länger beobachtet hat weiß,
wie langweilig und schrecklich das Leben eines einzeln gehaltenen Meerschweinchens
sein muss. Ganz egal, wie viel ein Mensch sich um so ein Tier kümmert,
er wird ihm nie einen (oder mehrere) Artgenossen ersetzen können. Das bedeutet,
dass Sie niemals ein Meerschweinchen alleine halten dürfen.
In Bezug auf die Frage "Wer mit Wem" gilt es einiges zu beachten:
Gleichgeschlechtliche Tiere, die miteinander aufwachsen, vertragen sich in der
Regel sehr gut miteinander. Auch wenn oft das Gegenteil behauptet wird, gilt
dies auch für die männlichen Tiere (man darf natürlich nicht
verlangen, dass sie sich immer noch vertragen, wenn man ein Weibchen dazu setzt!).
Wenn Sie ein Pärchen (oder mehrere) zusammen halten wollen, lassen sie
unbedingt die männlichen Tiere kastrieren, sonst wird aus zwei Meerschweinchen
innerhalb eines Jahres ein unüberschaubares Durcheinander von einigen Dutzend
Meerschweinchen. Bei der Kastration ist zu beachten, dass die männlichen
Tiere dadurch nicht sofort unfruchtbar, sondern noch ca. sechs Wochen danach
zeugungsfähig sind. Fremde erwachsene Tiere miteinander zu vergesellschaften
ist nur problematisch, wenn es sich um nicht kastrierte Männchen handelt.
Die
"einfache Lösung", einem Meerschweinchen ein Kaninchen als Gefährten
anzubieten, ist weder für ein Meerschweinchen noch für ein Kaninchen
eine glückliche Lösung. Da sich die beiden Tierarten in Verhalten
und Körpersprache vollkommen unterscheiden, hat so ein gemischtes Pärchen
in der Regel nichts voneinander, sondern Meerschweinchen und Kaninchen sind
dann "gemeinsam einsam". Im schlimmsten Fall endet diese Partnerschaft
in einer Beißerei, die vom Kaninchen ausgeht und beim Meerschweinchen
üble Verletzungen hervorruft. Sie müssen sich also im Interesse der
Tiere entscheiden, entweder für zwei Meerschweinchen oder zwei Kaninchen,
denn ein Kaninchen kann einem Meerschweinchen genauso wenig den Partner ersetzen
wie ein Mensch.
Tipp:
In Tierheimen und bei Tierschutzvereinen warten übrigens immer viele
"überflüssige" Meerschweinchen verschiedenen Alters auf
ein neues Zuhause!
Eine ganz wichtige Frage ist:
Wo sollen die Meerschweinchen leben? Die handelsüblichen Meerschweinchenkäfige
sind in der Regel viel zu klein, so dass sie sich schon genau umschauen müssen,
um etwas Akzeptables zu finden. Natürlich können Sie auch auf "Marke
Eigenbau" zurückgreifen, was Ihren Meerschweinchen sicherlich gefallen
wird. Für zwei Tiere sollte die Grundfläche des Käfigs mindestens
1,5 Quadratmeter auf keinen Fall unterschreiten! Falls Sie das Ihren Tieren
nicht bieten können oder wollen, sollten Sie in deren Interesse wirklich
auf eine Haltung verzichten.
Ausgestattet sein muss der Käfig mit Schlafhäuschen, Röhren und
sonstigen Gegenständen (z.B. Steine und Wurzeln), die zum verstecken, drüber
springen, drum herumlaufen oder drauf sitzen einladen. Ihre Meerschweinchen
sind froh über jede Abwechslung, und das nicht nur innerhalb des Käfigs.
Deshalb sollten Sie Ihre Tiere so oft wie irgend möglich aus ihrem doch
stark eingeschränkten Lebensraum herauslassen und Ihre Wohnung erkunden
lassen. Doch Vorsicht: auch hier bleiben Meerschweinchen Nagetiere, d.h. sie
werden das ein oder andere Möbelstück mit ihren Zähnen "verzieren"
oder die beste Literatur in Konfetti verwandeln. Abgesehen davon müssen
Sie mögliche Gefahrenquellen wie Stromkabel oder giftige Zimmerpflanzen
aus der Reichweite der Tiere entfernen, um Unfällen vorzubeugen. Mit einem
weiteren Problem müssen Sie so gut es geht leben: Meerschweinchen werden
leider nicht stubenrein.
Im Sommer können Sie ihnen sogar in ihrem Garten ein Freigehege errichten,
wo die Tiere "Natur pur" erleben können. Dabei müssen Sie
natürlich unbedingt darauf achten, dass keine Raubtiere (Katzen, Vögel
etc.) in das Gehege eindringen können. Eine ganzjährige Außenhaltung
ist für Meerschweinchen übrigens keinesfalls empfehlenswert, da kalte
und feuchte Witterung der Gesundheit der Tiere sehr abträglich ist.
Krankheiten:
Die meisten Krankheiten entstehen durch unsachgemäße Haltung und Ernährung. So führen Zugluft und Kälte oft zu schlimmen Erkältungskrankheiten, die unbedingt durch einen Tierarzt behandelt werden müssen. Bei unsauberer Haltung tritt oft Befall mit Parasiten wie Milben, Haarlingen und Würmern auf, falsches oder verdorbenes Futter verursacht schnell Durchfall. Schon Stürze aus geringer Höhe können Knochenbrüche verursachen; Knochenbrüche sind auch oft das Ergebnis von zu festem Zupacken! Die Vermutung, dass Meerschweinchen wegen ihres Namens etwas mit "Meer" zu tun haben und deswegen gerne schwimmen, ist falsch. Meerschweinchen mögen Wasser wirklich nur zum trinken! Deswegen: bewahren Sie Ihre Kinder vor diesbezüglichen Experimenten!
Besonderheiten:
Meerschweinchen sind keine Kuscheltiere für Kinder. Trotz ihres robusten Aussehens sind sie sehr "zerbrechlich", und ein Kind, welches sein Meerschweinchen vor lauter Liebe ganz fest drückt, kann dem Tier damit schwerste Verletzungen zufügen. Kuscheln, gegenseitiges Ablecken oder stundenlang ganz nah aneinander liegen und schmusen existieren im Meerschweinchen-Verhalten nicht. Deshalb sollten wir mit unseren Streicheleinheiten für die Meerschweinchen etwas zurückhaltend sein und ihnen unsere Liebe besser zeigen durch eine artgerechte Haltung in unserer Obhut - wo sie einfach Meerschweinchen sein dürfen und nicht als lebendiges Spielzeug herhalten müssen.
Text zur Verfügung gestellt mit freundlicher Genehmigung von:
(c) www.die-tierfreunde.de