
Tiere / Tierhaltung / Kaninchen
Buchempfehlung:
Ruth Morgenegg
"Artgerechte Haltung - ein Grundrecht auch für Kaninchen"
ISBN 3-906581-35-7
TBV-Verlag
Herkunft:
Wildkaninchen
wurden vor fast 900 Jahren aus Spanien ins restliche Europa eingeführt
und domestiziert. Im Laufe der Zeit entstanden unzählige Rassen verschiedener
Größen und Farbschläge, welche den Menschen ursprünglich
als Fleisch- und Felllieferant dienten. Außerdem wurden und werden Kaninchen
massenhaft in Tierversuchen verbraucht und dienen uns als beliebtes Heimtier.
Kaninchen haben mit Hasen übrigens nichts gemein. Es handelt sich um ganz
unterschiedliche Tierarten, der Feldhase hatte Glück und wurde nie domestiziert.
Somit ist jedes "hasenartige" Tier, welches bei Ihnen leben wird,
ein Kaninchen.
Lebensweise:
Kaninchen sind tagaktive, gesellige Tiere, die in der Natur in Gruppen leben und selbst gegrabene Höhlen bewohnen, in die sie sich bei drohender Gefahr zurückziehen können.
Lebenserwartung:
Kaninchen können bis zu 10 Jahren alt werden.
Ernährung:
Kaninchen sind Pflanzenfresser und ernähren sich von Heu, dass immer
zur Verfügung stehen muss, Stroh, Gemüse, Kräutern, Obst etc.
Die im Handel für Kaninchen erhältliche Fertigfuttermischungen sind
ungeeignet, da das darin enthaltene Getreide die Kaninchen dick macht und
für Verdauungsstörungen sorgt. Da Kaninchenzähne ständig
wachsen, müssen sie ständig abgenutzt werden. Aus diesem Grund ist
die stark sättigende Wirkung der typischen Fertigfuttermischungen besonders
schlecht, da sie dazu führt, dass die Kaninchen ihre Zähne zu wenig
benutzen und diese ungehindert weiter wachsen können.
Zusätzlich ist harte Nahrung (ungespritzte
Obstbaum- und Haselzweige und anderes Nagematerial) für die Abnutzung
der Zähne wichtig. Petersilie darf man seinen Kaninchen nicht anbieten,
da dies Harnsteine verursacht.
Frisches Trinkwasser muss immer zur Verfügung stehen.
Heimtierhaltung:
Die "herkömmliche Art" der Kaninchenhaltung, wie sie leider
allzu oft praktiziert wird, einzeln und in kleinen Ställen ohne Bewegungsmöglichkeit
und Kontakt zu Artgenossen, entspricht keinesfalls den natürlichen Bedürfnissen
der Tiere. Kaninchen wollen und müssen herumlaufen, Gänge und Höhlen
graben, mit Artgenossen kuscheln, blitzschnell bei Gefahr in einem sicheren
Versteck unterschlüpfen. Für uns bedeutet dies, vor einer Anschaffung
genau zu überlegen, ob wir unseren Kaninchen das bieten können und
wollen.
Ein
einzeln gehaltenes Kaninchen, welches als Schmusetier angeschafft wurde, mausert
sich oft zum "bissigen Tier", welches dann im Zweifelsfall im Tierheim
landet; dabei hat es nur seinen Unmut über die unzureichenden Lebensverhältnisse
kundgetan. Kaninchen, die in Wohnungshaltung leben, nutzen ihre täglichen
Ausflüge zu allerlei "Unsinn", aber was uns als solcher erscheint,
ist lediglich der Versuch unserer Kaninchen, sich normal zu verhalten. Man darf
auf keinen Fall das Kaninchen deshalb nicht einfach in den Käfig verbannen,
sondern die anfälligen Sachen der Wohnung schützen. Kaninchen zernagen
mit Vorliebe Stromkabel, was nicht nur ärgerlich für die Menschen
ist, sondern auch schnell zum Tod eines Kaninchens führen kann! Deshalb
sollten auf jeden Fall alle Stromkabel gut versteckt hinter Möbeln sein,
damit die Kaninchen keine Chance haben da dran zu kommen.
Wir müssen unseren Kaninchen diese Entdeckungstouren bieten, denn nur im
Käfig gehalten führen sie garantiert kein erstrebenswertes Leben.
Die oft gestellte Frage, wie groß so ein Käfig sein muss, lässt
sich kaum beantworten, denn groß genug oder gar zu groß ist ein
Käfig niemals, denn schließlich müssen die Tiere fast ihr ganzes
Leben darin verbringen (das ist auch so, wenn sie stundenlang in der Wohnung
herumlaufen dürfen!). Als absolutes Minimum pro Zwergkaninchen sollte der
Käfig eine Grundfläche von zwei Quadratmeter haben, plus täglichen
Auslauf , und der Käfig sollte mindestensso hoch sein, dass die Tiere darin
Männchen machen können, ohne oben anzustoßen. Bei größeren
Kaninchen erhöht sich der Platzbedarf entsprechend. Aber: ein Leben, welches
sich hauptsächlich im Käfig abspielt, ist keinesfalls tiergerecht,
verzichten Sie also auf eine solche Haltun! Machen Sie sich bitte einfach mal
klar, was Kaninchen in Käfighaltung vom Leben haben: außer dumm herumsitzen
und fressen spielt sich da nicht besonders viel ab.
Wenn man keine Möglichkeit hat ein Außengehege für seine Kaninchen
zu bauen, dann sollte man sich doch Gedanken über ein Zimmergehege machen.
Hier mal zwei Beispiele:
1.
Zimmergehege
2. Zimmergehege
Die Außenhaltung
von Kaninchen ist (sofern man einen eigenen Garten hat) den Bedürfnissen
der Tiere schon weit näher. Dabei bedeutet "Außenhaltung"
nicht, dass die Tiere in einem finsteren Ställchen hinter dem Haus "leben",
sondern dass sie in einem Freigehege untergebracht werden, wo sie ganzjährig
bleiben können. Die Haltung im Freigehege, wo die Kaninchen ganz einfach
Kaninchen sein dürfen, ist wirklich die einzige Variante, die den Bedürfnissen
der Tiere entspricht.
Dafür muss man dann einige Quadratmeter (je mehr, desto besser) Grundstück
opfern, die Zäune am besten in den Boden einlassen, da sich die Kaninchen
sonst darunter hindurch buddeln, das Gehege gegen Sonne, Regen und Raubtiere
schützen und ein gut isoliertes Haus aufstellen. Wenn die Tiere schon im
Frühjahr draußen leben, können sie dort auch problemlos den
Winter überstehen. Das Freigehege sollte nicht nur eine "langweilige
Wiese" sein, sondern abwechslungsreich gestaltet werden. Sträucher,
Steine und Wurzeln laden zum drüber springen oder verstecken ein, ein Hügel
dient als Aussichtspunkt. Außerdem werden sie bald beobachten können,
wie Ihre Kaninchen ihrer wahren Natur nachgehen und Gänge und Höhlen
anlegen (sofern es der Untergrund zulässt).
Zum Thema "Geselligkeit" gibt es einiges zu beachten: nicht alle Kaninchen
vertragen sich gut miteinander. So ist es z.B. teilweise problematisch, zwei
erwachsene fremde Weibchen miteinander zu vergesellschaften, zwei erwachsene
unkastrierte Männchen "verlieben" sich nie ineinander, sondern
bekämpfen sich mehr oder weniger stark (diese Kombination bitte nie ausprobieren,
denn die Wahrscheinlichkeit, dass dabei ein Kaninchen tot bleibt, ist verdammt
hoch). Tiere, die miteinander aufwachsen, vertragen sich in der Regel gut, jedoch
kann es bei den weiblichen Kaninchen phasenweise Stress geben und männliche
Jungtiere müssen unbedingt so früh wie möglich (mit ca. 10 Wochen,
also noch vor der Geschlechtsreife) kastriert werden, damit sie sich weiterhin
vertragen. Die unproblematischste Lösung ist es, ein Weibchen und ein kastriertes
Männchen zusammen zu halten. Kastriert aus dem Grund, damit Sie nicht in
kürzester Zeit vor einer Flut von Kaninchen stehen, die niemals alle gut
untergebracht werden können!
WICHTIG : frisch kastrierte erwachsene Böckchen sind noch ca. 6 Wochen
zeugungsfähig!
Kaninchen, die sich richtig gut verstehen, kuscheln wie die Weltmeister miteinander
und putzen sich gegenseitig.
Bei der Vergesellschaftung zweier fremder Tiere muss unbedingt beachtet werden,
dass das erste Zusammentreffen auf "neutralem Boden" stattfindet (also
niemals in dem Käfig oder Gehege des einen Tieres, denn dann gibt es auf
jeden Fall Zoff und Revierkämpfe!) und die Tiere sich ausweichen können,
also genügend Platz und Rückzugsmöglichkeit haben. Wenn zwei
fremde Tiere sich erst einmal etwas jagen (wobei auch schon mal etwas Fell fliegen
kann) und gegenseitig berammeln, ist das normal und kein Grund, die Nerven zu
verlieren und aufzugeben. Die Kaninchen müssen ihre Rangordnung klären,
und das geht meist ziemlich schnell. Einschreiten müssen Sie nur, wenn
sich die Tiere wirklich beißen.
Tipp:
In Tierheimen und bei Tierschutzvereinen finden sie immer Kaninchen-Pärchen, die aneinander gewöhnt sind, die Männchen sind alle kastriert. Falls Sie mögen, können Sie sich auch für die Übernahme einer gut eingespielten Kaninchen-Sippe entscheiden! Die leider oft empfohlene Lösung, ein Kaninchen mit einem Meerschweinchen zu vergesellschaften, ist vielleicht für das Auge des Betrachters ganz hübsch, aber überhaupt keine glückliche Lösung. Kaninchen und Meerschweinchen sind in Verhalten und Körpersprache völlig verschieden und haben sich genau genommen "nichts zu sagen" oder es kommt zu Missverständnissen zwischen ihnen. Oft ist es sogar so, dass die Kaninchen die Meerschweinchen heftig beißen. Deshalb: zwei Tiere anzuschaffen bedeutet immer die Entscheidung für zwei Kaninchen oder zwei Meerschweinchen.
Krankheiten:
Häufig auftretende Krankheiten bei Kaninchen sind Erkältungskrankheiten
und Verdauungsstörungen (Durchfall, Verstopfung) die durch falsche Ernährung,
z.B. durch zu viel Getreide (in Fertigfuttermischungen), hervorgerufen werden.
Knochenbrüche sind oft das Resultat falscher Handhabung durch den Besitzer
(sprich: fallen lassen!). Ein oft auftretendes Problem (vor allem bei Zwergkaninchen)
sind Zahnanomalien, d.h. die Zähne nutzen sich durch Fehlstellung bedingt
nicht richtig ab (hier hilft nur der regelmäßige Gang zum Tierarzt,
der die Zähne kürzt!). Häufig vernachlässigt wird die "Körperpflege"
der Kaninchen: dazu gehört die Krallen regelmäßig bei Bedarf
gekürzt werden und bei langhaarigen Rassen das Fell gepflegt werden muss.
Gegen ansteckende Krankheiten (Myxomatose, Chinaseuche) können Sie Ihre
Tiere impfen lassen.
Besonderheiten:
Bedenken Sie immer, dass Kaninchen Fluchttiere sind, d.h. nähern Sie sich immer langsam, ohne die Tiere zu erschrecken. Als Streicheltiere sind sie wirklich nur bedingt geeignet, was bedeutet, dass sich ein Kaninchen auf Ihre freundlichen Annäherungsversuche hin unter Umständen "schlecht benimmt", Sie anknurrt und im Zweifelsfall kratzt und beißt. Nie vergessen sollten Sie, dass Kaninchen überaus stressempfindlich sind (so kann z.B. ein Hund, der neben dem Käfig eines Kaninchens sitzt, unter Umständen nur dadurch, dass er da ist, den Tod des Kaninchens verursachen!).
Hier noch einige hilfreiche Links:
www.kaninchengehege.de
www.jr-x.de/kaninchen/verhalten
www.kaninchenweb.de/index.html
Text zur Verfügung gestellt mit freundlicher Genehmigung von:
(c) www.die-tierfreunde.de